Auf einen Blick
Für Dialysepatienten ist in Sachen Ernährung nichts grundsätzlich verboten. Es kommt – wie bei Gesunden auch - auf die Menge und die richtige Auswahl an. Beherzigen Sie beim Essen ein paar Regeln und Austauschmöglichkeiten. Dann können Sie trotz der ein oder anderen Einschränkung durchaus lecker genießen.
Gesund leben – bewusst genießen: Was dürfen Dialysepatienten essen und trinken?
Wenn die Nierenfunktion stark eingeschränkt ist und eine Dialyse erforderlich wird, verändern sich Stoffwechsel und Nährstoffhaushalt. Dadurch kann das Risiko für einen Mangel an bestimmten Nährstoffen erhöht sein. Einige – z.B. wertvolle Vitamine – werden außerdem im Zuge der Dialyse mit ausgespült. Viele Dialysepatienten haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen, insbesondere an Eiweiß. Der individuelle Energiebedarf hängt unter anderem vom Dialyseverfahren, vom Körpergewicht, von der körperlichen Aktivität und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Gleichzeitig sollten Sie den Konsum einiger Nahrungsmittel aber auch einschränken, da Ihre Nieren vieles nicht mehr ausreichend ausscheiden und dies den Stoffwechsel negativ beeinflussen kann. Sie sehen also – es gibt viele Empfehlungen zum Essen von Dialysepatienten. Nicht alle müssen auf Ihre Bedürfnisse zutreffen. Das hängt unter anderem davon ab, welches Dialyseverfahren Sie gewählt haben, wie gut Ihre Urinausscheidung noch funktioniert oder ob Sie Gewicht zu- oder abgenommen haben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, was für Sie in puncto Ernährung wichtig ist.
Darauf sollten Sie bei Ihrer Ernährung achten
Wie sieht die Ernährung bei Niereninsuffizienz aus? Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, wird das Blut nicht mehr ausreichend gefiltert und Giftstoffe verbleiben im Körper. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, die Ernährung an die Dialyse anzupassen. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Essen achten sollten.
Blickpunkt Eiweiß
Eiweiß – auch Protein genannt – ist ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Es wird für unsere Muskeln ebenso benötigt wie für viele Stoffwechselvorgänge in unserem Körper. Eiweiß steckt vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern, Milch und Milchprodukten sowie Nüssen und Hülsenfrüchten. Während der Dialyse können Eiweißbausteine verloren gehen. Bei Dialysepatienten ist häufig eine höhere Eiweißzufuhr sinnvoll. Häufig wird für Hämodialysepatienten eine Eiweißzufuhr von etwa 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag empfohlen. Welche Menge für Sie geeignet ist, sollten Sie mit Ihrem Behandlungsteam besprechen.
Ausreichend Kalorien
Ein stabiles Körpergewicht deutet darauf hin, dass Sie ausreichend Energie über die Nahrung aufnehmen. Nehmen Sie Gewicht ab, weil Sie zu wenig essen, ist das vielleicht optisch gewünscht, langfristig können Sie sich damit aber schaden, weil eine Mangelversorgung mit Kalorien, vor allen Dingen mit Eiweiß, Ihren Körper anfälliger für Infektionskrankheiten und andere Erkrankungen machen kann. Sollten Sie keinen Appetit haben oder verunsichert sein, was Sie überhaupt essen können, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Als allgemeiner Richtwert werden häufig etwa 30 bis 35 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfohlen.
Beispiel: 172 cm, 65 kg
65 x 30 kcal = 1950 kcal für Personen über 60 Jahre
65 x 35 kcal = 2275 kcal für Personen unter 60 Jahre
Bei starkem Über- oder Untergewicht sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wieviel Kalorien Sie zu sich nehmen sollten. Generell gilt: ein gleichbleibendes Gewicht deutet auf eine ausreichende Energiezufuhr hin. Vorausgesetzt, es wird kein Wasser eingelagert. Bei Unter- oder Übergewicht sollte die Ernährung gemeinsam mit dem Behandlungsteam individuell angepasst werden.
Phosphat reduzieren
Ihr Körper braucht Phosphat und Kalzium für den Knochenaufbau. Doch zu viel Phosphat schadet den Blutgefäßen, es führt im Körper u.a. zu Gefäßverkalkungen mit der möglichen Folge von z.B. Schlaganfällen und Herzinfarkten.
Phosphat kommt in natürlicher Form in eiweißreichen Lebensmitteln vor, wie zum Beispiel Fleisch, Milchprodukte oder Nüsse. Generell wird Phosphat aus pflanzlichen Lebensmitteln schlechter vom Körper verwertet als aus tierischen. Bei der Herstellung mancher Lebensmittel kommt zusätzliches Phosphat zum Einsatz, um die Haltbarkeit oder die Konsistenz zu verbessern. Schmelzkäse, Wurstwaren, Süßigkeiten oder Fertiggerichte sind nur einige Beispiele für Lebensmittel mit Phosphatzusätzen.
Dieses Phosphat wird leichter vom Körper aufgenommen als natürliches Phosphat. Unter normalen Umständen wird der Körper das Zuviel an Phosphat gut wieder los. Bei eingeschränkter Nierenleistung kann es jedoch zu einem Anstieg von Phosphat im Blut kommen. Bei erhöhten Phosphatwerten kann Ihr Behandlungsteam eine phosphatbewusste Ernährung empfehlen. Zusätzlich können Phosphatbinder verordnet werden, die zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Wenn Sie sich jetzt fragen „Ich soll doch mehr Eiweiß und weniger Phosphor zu mir nehmen. Wie geht denn das?“ dann haben Sie das Dilemma erkannt. Beide Empfehlungen unter einen Hut zu bekommen ist eine Herausforderung. Aber eine, die Sie meistern können.
Versuchen Sie auf jeden Fall, Ihrem Körper die Menge an Eiweiß zu geben, die er jetzt braucht. Bei der Auswahl der Eiweißquellen gilt – je natürlicher, desto besser. Wenn Sie ein Schnitzel marinieren, dann wissen Sie, was drin ist. Kaufen Sie die abgepackte Variante, können Phosphatzusätze darin enthalten sein.
Es gibt Lebensmittel, die viel Eiweiß und verhältnismäßig wenig Phosphat enthalten. Sie haben einen günstigen Phosphat-Eiweißquotienten. So ist beispielsweise Edamer günstiger als Emmentaler, Quark weist einen besseren Quotienten auf als Joghurt.
Zudem gibt es weitere Möglichkeit, erhöhte Phosphatwerte im Blut zu senken, ist die Einnahme von Phosphatbindern. Diese Medikamente können Ihnen im Bedarfsfall von Ihrem Arzt verschrieben werden. Wichtig ist die richtige und regelmäßige Einnahme direkt zum Essen. Nur dann können diese Medikamente optimal wirken.
Auf Kalium achten
Kalium ist ein Mineralstoff, der im Körper vielfältige Funktionen erfüllt und bei gesunden Menschen überwiegend über die Niere ausgeschieden wird.
Stark erhöhte Kaliumwerte können zu Muskelbeschwerden und Herzrhythmusstörungen führen. In schweren Fällen können sie lebensbedrohlich sein. Steigt der Kaliumwert im Blut, kann man versuchen, mit dem Weglassen von kaliumhaltigen Lebensmitteln dagegen zu steuern.
Kalium steckt vor allem in Obst und Gemüse, Nüssen aber auch in Fleisch und Milch. Eine gezielte Auswahl oder eine besondere Zubereitung hilft Ihnen dabei, die Kaliumwerte im normalen Bereich zu halten.
Bei Kartoffeln können Sie den Kaliumgehalt reduzieren, indem Sie die geschälten Kartoffeln klein schneiden und anschließend – ähnlich wie Nudeln - in viel Wasser kochen. Dünsten oder Garen in Dampf sind zwar schonende Zubereitungstechniken, leider geht dabei aber so gut wie kein Kalium verloren. Das gelingt nur, wenn das Gemüse wie bei den Kartoffeln beschrieben zubereitet wird.
Beim Obst fällt besonders Steinobst – also Aprikosen, Pflaumen, Nektarinen – durch hohe Kaliummengen auf. Essen Sie diese nicht frisch, sondern als Konservenobst, ist der Effekt ähnlich wie bei den Kartoffeln. Das Kalium wird bei der Zubereitung ausgewaschen. Die Einmachflüssigkeit sollte dann allerdings nicht verzehrt werden. Ebenso enthalten auch Obst- und Gemüsesäfte besonders viel Kalium.
Wenig Salz!
Wir alle neigen dazu, schnell mal zum Salzstreuer zu greifen. Doch zu viel Salz macht durstig und sorgt auch dafür, dass mehr Wasser im Körper gebunden wird. 8 g Salz binden einen Liter Wasser.
Dieses Mehr an Flüssigkeit durch salzhaltiges Essen sorgt für Beschwerden, wenn die Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten. Es lässt den Blutdruck ansteigen und kann zu Wassereinlagerungen im ganzen Körper führen. Sie sollten täglich nicht mehr als 6 g Salz mit dem Essen aufnehmen.
Wie das gelingen kann? Probieren Sie zum Würzen frische Kräuter und verzichten Sie, wenn möglich, auf Fertigprodukte. Unsere Geschmacksnerven passen sich dem Salzgehalt des Essens an. Wenn Sie sich dazu entschließen, den Salzstreuer vom Tisch zu verbannen und bei der Zubereitung der Speisen weniger Salz zu verwenden, können Sie nach einigen Wochen Ihren natürlichen Geschmacksinn wiederentdecken.
Wasser
Wussten Sie, dass Sie mit Ihrem Essen täglich etwa einen halben bis 1 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Dazu kommen noch die Getränke. Wenn Sie zwischen den Dialysen zu viel Gewicht auf die Waage bringen, haben Sie möglicherweise zu viel getrunken oder vermehrt salzhaltige oder wasserreiche Lebensmittel gegessen. Suppe, Joghurt, Pudding oder größere Mengen an Obst und Gemüse liefern automatisch mehr Wasser.
Bitte sparen Sie generell nicht am Essen, um Ihr Gewicht vor der nächsten Dialyse zu beeinflussen. Ihr Körper braucht die Energie. Versuchen Sie lieber, besonders wasserreiche Lebensmittel gegen weniger wasserreiche auszutauschen oder sie zu kombinieren.
Ganz wichtig: halten Sie Ihre Trinkmenge im Blick. Ihre empfohlene Trinkmenge richtet sich unter anderem danach, wie viel Urin Sie noch ausscheiden. Häufig wird empfohlen, etwa 500 ml zusätzlich zur täglichen Urinmenge zu trinken. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen sagen, welche Trinkmenge für Sie geeignet ist.
Stichwort Fett
Eine ausgewogene Fettzufuhr ist Teil einer gesunden Ernährung. Dabei spielt vor allem die Art der aufgenommenen Fette eine wichtige Rolle. Dabei macht es nicht die Menge allein, sondern auch die Qualität der Fette. Hochwertige Fette sind vor allem in pflanzlichen Quellen wie Raps-, Oliven- oder Sonnenblumenöl enthalten. Diese sollten Sie bevorzugt bei der Zubereitung von Speisen einsetzen.
Lachs und Hering enthalten ebenso wie Mandeln oder Avocado Fette, die sich günstig auf Ihre Blutwerte auswirken können. Sie ahnen es sicher schon. Da, wo Fett als Geschmacksträger eingesetzt wird (Sahne, Butter, Crème fraîche…), kommen Fette auf den Teller, die ungünstig sind. Das gilt auch für das Fett in Käse, Wurst oder Backwaren.
Ballaststoffe
Ballaststoffe gehören wie Zucker und Stärke zur Gruppe der Kohlenhydrate. Sie versorgen Ihren Körper allerdings nur geringfügig mit Energie, haben jedoch andere Qualitäten: Sie regulieren unter anderem die Verdauung und sorgen für eine längere Sättigung.
Allerdings können sich diese Wirkungen nur dann entfalten, wenn Ballaststoffe in Kombination mit ausreichend Flüssigkeit verzehrt werden. Welche Menge an ballaststoffreichen Lebensmitteln für Sie geeignet ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab und sollte mit Ihrem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Ballaststoffe kommen vornehmlich in pflanzlichen Lebensmitteln vor, wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Müsli oder Nüssen. Diese Lebensmittel sind gleichzeitig auch Kalium- bzw. Phosphatlieferanten.
Es gibt allerdings einen Lichtblick in Sachen Phosphat: In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Phosphat aus pflanzlichen Lebensmitteln nicht komplett vom Körper aufgenommen werden kann. Es besteht für Sie kein Grund, auf ballaststoffreiche Lebensmittel zu verzichten. Allein die Menge machts.
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In unseren Lebensmitteltabellen finden Sie Nährwerte wichtiger Lebensmittel auf einen Blick – speziell für Dialysepatienten aufbereitet.














