Lebenserwartung
Die Dialyse ist für Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz eine lebenswichtige Behandlung. Ohne Dialyse würde ein unbehandeltes Nierenversagen in vielen Fällen zum Tod führen. Eine eindeutige Aussage zur Prognose mit Dialyse kann zwar nicht so einfach getroffen werden, jedoch beeinflussen verschiedene Faktoren die Lebenserwartung beträchtlich.
Unterschied zwischen Niereninsuffizienz & Nierenversagen
Bei einer Niereninsuffizienz sind die Nieren bereits geschädigt, arbeiten aber noch. Mit Medikamenten und einer angepassten Lebensweise kann dieser Zustand oft über viele Jahre stabil gehalten werden.
Von Nierenversagen spricht man, wenn die Nieren ihre Arbeit fast vollständig eingestellt haben und eine Dialyse oder Transplantation nötig wird. Nierenversagen bedeutet heute jedoch nicht das Ende, sondern den Beginn einer Nierenersatztherapie.
Begleiterkrankungen von Dialysepatienten
Die Lebenserwartung und Lebensqualität von Dialysepatienten sind maßgeblich davon abhängig, ob noch weitere Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) bestehen.
Begleiterkrankungen können den Kreislauf empfindlicher machen und dadurch das Risiko für sogenannte hämodynamische Instabilität, also Blutdruckabfälle während der Dialyse, erhöhen. Wenn Organe wie beispielsweise Herz oder Gehirn vorgeschädigt sind, sind Patienten besonders anfällig für Blutdruckabfälle und eine eingeschränkte Organdurchblutung. Die Kontrolle des Blutdrucks ist deshalb bei der Dialyse außerordentlich wichtig.
Begleiterkrankungen können unabhängig von der Nierenerkrankung auftreten oder bereits bestehen, bevor die Dialyse notwendig wird. Gleichzeitig kann die Niereninsuffizienz auch Auswirkungen auf andere Organsysteme haben, wodurch diese zusätzlich beeinträchtigt werden.
Besonders häufig betreffen Begleiterkrankungen das kardiovaskuläre System. Dialysepatienten leiden beispielsweise unter arterieller Hypertonie oder Herzinsuffizienz. Weiterhin kann die Blutbildung beeinträchtigt, Knochen geschädigt, der Säure-Basen-Haushalt sowie der Flüssigkeitshaushalt gestört sein oder es können gastrointestinale, endokrinologische oder neuronale Störungen vorliegen.
Nierenschädigungen treten häufig auch bei Patienten mit Diabetes mellitus auf. Ein hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer die Nieren, weshalb dieser frühzeitig behandelt und eingestellt werden sollte.
Die Ernährungsregeln bei Dialyse sollten unbedingt eingehalten werden, um Begleiterkrankungen und Komplikationen zu vermeiden. Außerdem ist es wichtig, verschriebene Medikamente regelmäßig einzunehmen.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Dialysepatienten?
Die Frage nach der Lebenserwartung bei Dialysepatienten ist nicht so einfach zu beantworten. Natürlich ist eine Prognose zur Lebenserwartung von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel dem Lebensalter zu Beginn der Erkrankung sowie der Schwere der Erkrankung, abhängig. Der große medizinische Fortschritt in den vergangenen Jahren hat zu vielen Verbesserungen in der Qualität der Dialysetherapie geführt.
Dennoch haben Dialysepatienten eine etwas geringere Lebenserwartung als gesunde Menschen.
Besonders bei älteren Patienten ist die Lebenserwartung und Lebensqualität stark variabel und von ausschlaggebenden Faktoren wie Begleiterkrankungen abhängig. Diabetes mellitus oder bereits bestehende Herzerkrankungen können je nach Schweregrad die Lebenserwartung stark verkürzen. Auch die allgemeine körperliche Fitness, die Lebenseinstellung und das soziale Umfeld spielen eine wichtige Rolle. Niedrige körperliche Aktivität und eine unausgewogene Ernährung können zu einem Kreislauf aus Gewichtsabnahme, Müdigkeit, körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen sowie Depressionen und Schmerzen führen. Dadurch wird auch die Autonomie in Mitleidenschaft gezogen, die auch bei älteren Patienten von großer Bedeutung ist.
In einer Studie aus den USA mit älteren Menschen, die neu mit der Dialyse begonnen haben, zeigte sich: Bestimmte Faktoren gehen mit einem deutlich höheren Sterberisiko im ersten Jahr einher. Dazu gehören ein sehr hohes Alter (über 85 Jahre), wenn man im Alltag auf Hilfe angewiesen ist, wenn die Dialyse im Krankenhaus beginnen musste und wenn mehrere schwere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen.⁴
Eine genaue Prognose zur Lebenserwartung in Zahlen kann also nicht gestellt werden. Generell sollte aber immer bedacht werden, dass die Dialyse eine aktiv lebensverlängernde Maßnahme ist. Wichtig ist vor allem, Nierenerkrankungen möglichst frühzeitig zu behandeln.
Mit einer konsequenten Einnahme der verschriebenen Medikamente und einer Einhaltung der empfohlenen Trinkmenge und Ernährungsregeln können Sie die Lebensqualität mit Dialyse verbessern und die Lebenserwartung steigern.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Nierenerkrankungen ohne Dialyse?
Auch in diesem Fall kann nicht so leicht eine Aussage getroffen werden. Die Antwort ist abhängig von Begleiterkrankungen, Alter und allgemeinem Zustand. Außerdem ist auch die Art und der Verlauf der Niereninsuffizienz ausschlaggebend. Wenn die Nierenfunktion nicht vollständig verloren ist, sieht die Prognose besser aus. Komplettes Nierenversagen kann wiederum ohne Behandlung letztendlich zum Tod führen.
Ob eine Dialyse für Sie persönlich in Frage kommt und wie sich Ihre Lebenserwartung und Lebensqualität durch die Dialyse verändern, kann nur in einem Gespräch mit Ihrem behandelnden Nephrologen oder Ihrer behandelnden Nephrologin geklärt werden.
Nicht nur wie lange, sondern wie gut: Lebensqualität an der Dialyse
Dank moderner Dialyse können viele Patientinnen und Patienten heute weiterhin reisen, arbeiten und Sport treiben. Wichtig ist dabei die Absprache mit dem Behandlungsteam.
Dialyse leicht verständlich erklärt:







